22.04.2011
Liebes Tagebuch,

Pauls Leibspeise: Pommes frites.
massig Sonne und quasi subtropische Temperaturen. Juhu! Mein Wetter. Morgen ist es Zeit, die Pforten der Badeanstalt Nord in Kahlenberg an der Strandpromenade der Kieler Förde zu öffnen und den ganzen Nichtschwimmern die ersten Kraulübungen zu zeigen. Heute reisten dazu die besten Bademeister aus ganz Norddeutschland an. Ich war gespannt, ihr guter Ruf eilte ihnen zwar voraus, dennoch hatte ich Angst, dass der ein oder andere Sesselpupser dabei sein könnte. Vor wenigen Wochen stand noch im SPIEGEL, dass sich irgendwelche Bürohengste Bademeisterausbildungsbescheinigungen gesetzwidrig gekauft hätten. Aber meine Angst war unbegründet. Alles klasse Bademeister, ganz nach bester Baywatchmanier. In hautengen Badeklamotten und nur mit Rettungsbojen unterwegs liefen sie im Sprint vom Kieler Hauptbahnhof zur Badeanstalt. Diese Ausdauer müssen echte Bademeister vorweisen können. Zur Stärkung gab es danach natürlich erst mal Pommes Schranke. Ich zieh jetzt die Badelatschen aus und schlaf unter meinem großen Handtuch. Bis morgen,
Paul
23.04.2011
Liebes Tagebuch,
nachdem ich meine morgendlichen Schwimmübungen zwischen den Containerschiffen in der Kieler Förde mit Bravour absolviert hatte, kamen die jungen Frauen und Männer des Ausbildungskurses endlich an. Sie kamen aus den verschiedensten Kreisen Norddeutschlands und hatten ebenso die verschiedensten Kenntnisse. Einige kannten den Unterschied zwischen Salz- und Süßwasser, andere wussten in gefrorenem Wasser kann man nicht schwimmen. Ich teilte sie entsprechend ihres bisherigen Wissens in drei Gruppen ein. Rote Anfänger, gelb-blaue Anfänger und grüne Anfänger. Um erst mal zu zeigen, wer Herr im Hause ist, prollte ich mit den anderen Bademeistern rum und erklärte nebenbei die Regeln der Badeanstalt. „Nicht vom Beckenrand pinkeln!“ Bademeister sein bedeutet im Jahre 2011 nicht mehr “Weiber, saufen, Leben retten”, sondern ist viel komplexer. Das müssen einige meiner Kollegen aber noch lernen.
El Paulo
24.04.2011
Liebes Tagebuch,

Schnappschuss vom Osterhasen.
du wirst es nicht glauben, aber der Kiosk servierte heute lecker lecker Nudeln in Käse-Lachs-Sahne-Soße. Unter einem Vorwand schlich ich mich nach dem Imbiss in die Küche und leckte die Töpfe aus.
Oh und ich hab den Osterhasen gesehen. Als wir uns morgens vor der ersten Runde Schwimmen aufwärmten, hoppelte er um das Umkleidehäuschen herum. Was für ein seltener und prachtvoller Anblick.
Paulo
25.04.2011
Liebes Tagebuch,
ich kann nicht oft genug unsere oberste Bademeisterregel betonen: Nicht vom Beckenrand pinkeln!
Jan-Paul
26.04.2011
Liebes Tagebuch,
heute war es sehr sehr nervig. Vermeintliche Schiffbrüchige wurden nach Sonnenuntergang am Strand angespült. Statt sich sofort zur Wasserschutzpolizei zu begeben, betranken sie sich. Unangenehm fiel dieser jamaikanisch angezogene Freak auf. Während ich den Sprungturm polierte hörte und sah ich vom Zehn-Meter-Brett, was sich dort am Strand abspielte. Ein Saufgelage mit Tanz. Ich konnte es nicht ganz erkennen, aber es sah so aus, als ob der „Jamaikaner“ mit einem Besenstiel den sogenannten Lockenwicklertrick durchführte. Vor Schreck pinkelte ich vom Turm in das Becken. Aber psssssst! Außer dir weiß keiner davon, also schweige. Irgendwann war der Spuk vorbei. Merkwürdig, dass es genau heute passierte. Die Teilnehmenden des Ausbildungskurses waren nämlich eine Nacht auswärts, um eine Schwimmflügelproduktionsstätte zu besichtigen.
Luap
27.04.2011
Liebes Tagebuch,
die Bademeister haben einen glorreichen Sieg im Fußball gegen die Teilnehmenden erzielt! Wie vorhergesagt zogen wir sie so richtig ab. Das einzige Tor fingen wir uns ein, weil ich vor lauter Langeweile aus dem Tor ging und mir einen Kaffee zubereitete. Wer hätte denn damit rechnen können, dass diese Planschbeckentaucher mal in Ballbesitz kommen?!
Paule
28.04.2011
Liebes Tagebuch,
als wäre die gnadenlose Hitze nicht genug, seit Tagen weht kein einziger Lufthauch. Ich befinde zu 90 Prozent des Tages im Wasser, um wenigstens etwas Erfrischung zu finden. Es fällt mir schwer im Wasser zu schreiben, deswegen lass ich es.
Bis später
Paul
29.04.2011
Liebes Tagebuch,
du wirst es nicht glauben. Es gab prominenten Besuch. Zwei Mitglieder der Bundes-Bademeisterleitung kamen zum Forum und hörten sich dort an, was die Teilnehmenden alles gelernt haben: Schwimmflügel aufblasen, Kraulen, Tauchen, Ringe aus dem Wasser holen und letztenendes sogar Schwimmen. Nachdem gestern Abend überraschend der ehemalige Bundes-Bademeister Moses, bekannt für den Bau einer neuen Umkleidekabine, zum Pokerabend auftauchte, stellte dies wohl die wichtigste Würdigung meiner Arbeit dar. Ich bin überglücklich und schwimme gleich noch 50 Bahnen.
Baul

Paul schwimmt in der Kieler Förde zwischen Containerschiffen.
30.04.2011
Liebes Tagebuch,
da lassen wir den Teilnehmenden mal freie Hand und schon feiern sie eine Ballermann-Beach-Party mit Speed-Dating, einer komplizierten Ballsportart statt Beach-Volleyball und reichhaltigem Buffet. Zum Glück gab es keinen Alkohol und alle haben die Regel beachtet, nicht mit vollem Bauch ins Wasser zu gehen.
Ach morgen ist es schon vorbei. Fast alle haben ihre Koffer gepackt und kritzeln sich da gegenseitig Schwimmabzeichen rauf. Von mir gab es für jeden das Seepferdchen, denn die Teilnehmenden haben es tatsächlich gepackt. Gratulation! So gut habe ich noch nie einen Schwimmkurs geleitet.
Paul
01.05.2011
Liebes Tagebuch,
die Becken wurden sauber gemacht, die Filter erneuert, Chlor nachgefüllt, der Kurs ist aus. Alle Teilnehmenden sind auf dem Heimweg und werden dort überglücklich ihre neuen Fähigkeiten austesten können. Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Letzteres von einem kleinen Zwischenfall beim Chlor nachfüllen. Gleich werde ich noch die letzten Pommes essen und mich dann wieder auf zu neuen Abenteuern machen. Hab gehört, David Hasselhoff will mit mir in Malibu eine Fortsetzung von Baywatch drehen.
Tschö mit ö, Paul
02.05.2011
Paul,
da staunst du, hier stehen von mir geschriebene Wörter. Weißt du was? Du stinkst, nervst und bist ein schlechter Schwimmer! Jeden Abend fasst du mich mit deinen fettigen Fingern an und legst mich auf deinen dicken Pommesbauch. Und dann schreibst du dreisten Lügen in mich. Nein, nein, nein! Ich kann das nicht mehr ertragen. Von wegen Bademeister! Du stehst nur am Beckenrand und schaust dir die ganzen Bikinischönheiten an. Das ist so armselig. Wenn du dies hier liest, habe ich bereits angefangen zu schimmeln. Nenn es meinetwegen Selbstmord. Aber vielleicht schaffst du es so dich mal zum Schwimmpferdchen durchzuringen. Beweg dich! Und wehe du pinkelst noch einmal vom Beckenrand!
Adieu und auf Nimmerwiedersehen
Dein Tagebuch